Geförderte Projekte des Beirats für Vielfalt und Offene Gesellschaft 2025

Auf dieser Seite finden Sie eine Übersicht der bewilligten Projekte, die einen wichtigen Beitrag zur Förderung von Vielfalt, Chancengleichheit und gesellschaftlichem Zusammenhalt in Kaufbeuren leisten. Die geförderten Initiativen spiegeln die Leitlinien des Beirats wider: Sie stärken die Migrations- und Integrationsarbeit, fördern interkulturelle und interreligiöse Begegnungen und setzen sich aktiv gegen Fremdenfeindlichkeit, Extremismus und Diskriminierung ein.

Die Projekte entstehen in enger Zusammenarbeit mit Vereinen, Organisationen, Religionsgemeinschaften, Bildungseinrichtungen sowie engagierten Bürgerinnen und Bürgern. Ziel ist es, nachhaltige Strukturen zu schaffen, positive Lebensbedingungen zu fördern und die demokratischen Grundwerte in unserer Stadt weiter zu festigen.

Spielgruppe

Der Arbeitskreis Asyl ist seit rund eineinhalb Jahren in der Gemeinschaftsunterkunft Falkenstraße 5 tätig und unterstützt dort überwiegend aus der Ukraine geflüchtete Familien, darunter viele Angehörige der Roma-Minderheit. Die Begleitung erfolgt durch eine Integrationsbegleiterin sowie eine sozialpädagogische Fachkraft und wird von der evangelischen Landeskirche finanziert.

Im Rahmen dieser Arbeit wurde festgestellt, dass mehrere Vorschulkinder derzeit keinen Kindergarten besuchen. Um diese Kinder frühzeitig zu fördern und an Bildungsstrukturen heranzuführen, ist ab Januar 2025 die Einrichtung einer Spielgruppe mit drei Vormittagen pro Woche geplant.

Die Finanzierung einer Betreuungskraft ist gesichert; zusätzliche Projektmittel sollen anteilig für eine weitere deutschsprachige Fachkraft sowie für notwendige Sachkosten wie Spiel- und Lernmaterial eingesetzt werden. Ziel des Projekts ist es, die Kinder sprachlich, sozial und entwicklungsbezogen zu stärken und ihnen den Übergang in das Regelsystem zu erleichtern.

Kaufbeurer Frauentreff

Der „Kaufbeurer Frauentreff“ findet seit vielen Jahren jeweils am ersten Samstag im Monat im Generationenhaus statt. Das offene Angebot richtet sich an Frauen unterschiedlicher Herkunft, Altersgruppen und Lebenssituationen.

In ungezwungener Atmosphäre bei Kaffee und Kuchen entsteht Raum für Austausch über aktuelle gesellschaftliche Themen ebenso wie über frauenspezifische Anliegen. Der Frauentreff bietet dabei insbesondere Frauen in herausfordernden Lebenslagen – etwa aus dem Frauenhaus – die Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen und soziale Netzwerke aufzubauen.

Ergänzend zu den regelmäßigen Treffen werden gemeinsame Aktivitäten wie Ausstellungs- oder Museumsbesuche organisiert. Ziel des Projekts ist ein niederschwelliges interkulturelles Begegnungsangebot, das Frauen stärkt, ihre gesellschaftliche Teilhabe fördert und sie schrittweise an bestehende Strukturen bis hin zum Arbeitsmarkt heranführt. Denn starke Frauen sind eine wichtige Grundlage für starke Familien und gute Entwicklungschancen für Kinder.

Religion einfach erklärt

Im Rahmen dieses Projekts werden zentrale christliche Feiertage wie Ostern, Erntedank und Weihnachten in ihrer Bedeutung und Tradition vorgestellt. Ergänzend finden Besichtigungen von Kirchen und anderen religiösen Einrichtungen statt, bei denen Hintergründe und Besonderheiten erläutert werden.

Seit dem Start im Jahr 2023 wurden bereits mehrere Gotteshäuser sowie 2024 eine Moschee besucht. Die durchweg positive Resonanz hat dazu geführt, dass das Angebot weitergeführt wird. Für 2025 sind weitere Besichtigungen, unter anderem einer Wallfahrtskirche, eines Klosters und einer orthodoxen Kirche, geplant.

Im Mittelpunkt steht der persönliche Austausch zwischen Gläubigen unterschiedlicher Religionen. In einem offenen und respektvollen Rahmen entsteht so ein direkter Dialog, der Verständnis fördert und gelebte Vielfalt sichtbar macht.

Ehrenamtliche Integrationsbegleiter stärken

Ehrenamtliche leisten einen wichtigen Beitrag zur Begleitung und Integration von Menschen mit Fluchterfahrung. Zur Unterstützung dieses Engagements werden Austauschtreffen und Fachvorträge organisiert sowie Erfahrungsberichte dokumentiert und veröffentlicht.

Besonderes Augenmerk liegt auf ehrenamtlich engagierten Geflüchteten und Migrantinnen und Migranten, die häufig zusätzlichen Informations- und Unterstützungsbedarf haben. Gemeinsame Aktivitäten fördern den konstruktiven Austausch, die Vernetzung und die Information über bestehende Hilfsangebote.

Als Anerkennung für das Engagement sind zudem gemeinsame Ausflüge, Kulturveranstaltungen oder Einladungen vorgesehen. Ziel des Projekts ist es, das bürgerschaftliche Engagement zu stärken, neue Ehrenamtliche zu gewinnen und die vielfältige Zusammensetzung aller Beteiligten als Bereicherung sichtbar zu machen.

Fahrradwerkstatt

Ziel der Fahrradwerkstatt ist es, preisgünstige Second-Hand-Fahrräder an Geflüchtete und bedürftige Menschen zu vermitteln. Im Mittelpunkt steht dabei nicht nur die Weitergabe der Räder, sondern vor allem deren fachgerechte Instandsetzung sowie eine verkehrssichere Ausstattung, um Unfälle zu vermeiden.

Nach dem Ausscheiden des langjährigen Hauptverantwortlichen war eine regelmäßige Besetzung der Werkstatt in der Neugablonzer Straße 96 zunächst schwierig. Seit Frühjahr 2023 unterstützen jedoch zwei neue Mitarbeiter das Projekt: ein geflüchteter junger Mann aus Syrien mit mehrjähriger Berufserfahrung in einem Fahrradgeschäft sowie ein aus der Ukraine stammender, inzwischen berenteter ehemaliger Industriemanager mit großer technischer Affinität.

Um die Öffnungszeiten verlässlich sicherzustellen, wurden beide im Rahmen eines Minijobs angestellt. Dadurch ist die Werkstatt regelmäßig samstags geöffnet und eine qualifizierte Beratung gewährleistet. Zusätzlich werden im Lager in der Füssener Straße instandgesetzte Fahrräder zum Verkauf angeboten. So können kontinuierlich reparierte Räder vermittelt und neue Zielgruppen erreicht werden.

Ergänzend beteiligt sich das Projekt weiterhin an Fahrradbasaren und ähnlichen Veranstaltungen, um das Angebot bekannt zu machen und weitere Menschen zu erreichen.

Teestube

Die Teestube des Arbeitskreises Asyl ist seit über 34 Jahren ein zentraler Treffpunkt für Migrantinnen und Migranten aller Herkunftsländer – von langjährig in Deutschland Lebenden bis hin zu neu angekommenen Geflüchteten, aktuell auch aus der Ukraine. Jeden Montag von 18:00 bis 20:00 Uhr im Städtischen Jugendzentrum bietet die Teestube nicht nur Tee und kleine Snacks, sondern vor allem Beratung, Austausch und die Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen – sowohl unter Migrantinnen und Migranten als auch mit Einheimischen.

Die Teestube dient zudem als wichtiger Ort für Ehrenamtliche: Hier erhalten neue Helfer*innen ihre Einführungsinformationen, und auch bestehende Ehrenamtliche nutzen den Treffpunkt, um Fragen zu klären und sich auszutauschen.

Mit der bevorstehenden Neu-Belegung der Regierungsunterkunft in der Wilhelm-Rappold-Straße wird die Teestube eine zentrale Rolle dabei spielen, die neuen Bewohnerinnen und Bewohner schnell in die Gemeinschaft einzubinden, sie mit einem zuverlässigen Anlaufpunkt zu versorgen und ihnen Zugang zu persönlichen Kontakten und Hilfsnetzwerken zu ermöglichen. Ähnlich wichtig ist sie für Menschen in städtischen Unterkünften in ganz Kaufbeuren.

Lernwerkstatt Deutsch

Die Lernwerkstatt Deutsch ergänzt die regulären Sprachkurse an VHS und Kolpingakademie und richtet sich an alle Interessierten. Ziel ist es, Alltagsdeutsch zu vermitteln, die Kommunikationsfähigkeit zu stärken und das Selbststudium über das kostenfreie Online-VHS-Lernportal zu fördern.

Das Angebot findet drei Mal pro Woche im Generationenhaus statt und wird von einer qualifizierten Lehrkraft betreut. Ein Schwerpunkt liegt auf dem praktischen Arbeiten am Laptop, sodass alle Teilnehmenden die Möglichkeit haben, digitale Lernangebote zu nutzen.

Die Lernwerkstatt bietet so eine wertvolle Ergänzung zu bestehenden Kursen, unterstützt die sprachliche und digitale Bildung und fördert die Integration von Geflüchteten und Migrantinnen und Migranten in Kaufbeuren.

Integreat-App: maschinelle Übersetzung

Mit KI-gestützten Übersetzungsprogrammen lassen sich Inhalte der App Integreat schnell und einfach maschinell übersetzen. Dafür muss ein jährliches Kontingent an Wörtern bei den Betreibern von Integreat erworben werden.

Aktuell umfasst das Angebot 1 Million Wörter, von denen bisher rund 146.450 Wörter genutzt wurden. Die Kosten hierfür liegen bei 1.000 € brutto pro Jahr. So können zusätzliche Sprachen kostengünstig in die App integriert werden, was die mehrsprachige Informationsversorgung deutlich erleichtert.

Integreat-App: Lizenzgebühr

Die App Integreat wurde 2019 in Kaufbeuren eingeführt und dient als digitale Informationsplattform für Migrantinnen, Migranten und Neuzugewanderte. Sie unterstützt beim Ankommen in der Stadt, indem sie Orientierungshilfen, aktuelle Tipps und Kontaktdaten zu lokalen Behörden, Organisationen und Initiativen bereitstellt – möglichst in der Muttersprache der Nutzerinnen und Nutzer.

Die Inhalte der App werden von Kooperationspartnern gepflegt und regelmäßig aktualisiert. Dazu gehören beispielsweise Informationen zu Sprachkursen, Wohnmöglichkeiten, Veranstaltungen sowie zu Bildung, Gesundheit und dem Leben in Deutschland. Grundsätzlich können alle relevanten Informationen, oft in Form von Links, eingepflegt werden.

Aufwandsentschädigung für Einbürgerungslotsinnen und -lotsen

Im Jahr 2024 wurden in Kaufbeuren 11 Einbürgerungslotsen geschult, die nun ehrenamtlich Menschen im Einbürgerungsverfahren unterstützen. Mit ihrer eigenen Erfahrung, dem neuen Schulungswissen und ihren vielfältigen Muttersprachen – darunter Arabisch, Syrisch, Ukrainisch, Russisch, Türkisch, Englisch, Singhalesisch und Deutsch – leisten sie einen wichtigen Beitrag, um Einbürgerungen schnell und erfolgreich zu ermöglichen.

Die Ehrenamtlichen erhalten eine Aufwandsentschädigung für ihre Tätigkeit, die über die beantragten Projektmittel finanziert wird. Die Koordination der Einbürgerungslotsen übernimmt weiterhin die Geschäftsstelle des Beirats für Vielfalt und Offene Gesellschaft.